Hotelfachschule Garmisch-Partenkirchen

Blog der Hotelfachschule Garmisch-Partenkirchen

Heineken, Bols und Grachten – Studienfahrt nach Amsterdam

Ein Kommentar

Vorsicht! Das ist ein langer Artikel! Ein ganz langer! Eigentlich sind es zwei … denn über diese Studienfahrt der FS 2F der Hotelfachschule Garmisch-Partenkirchen lassen wir zwei Studis berichten, die dabei waren. Michael Liess und Benjamin Behr, die jeweils aus ihrer Sicht die Ereignisse schildern. Die Fotos hat Rudolf Aumüller beigesteuert, der als Lehrer die Klasse begleitete. Lassen wir zuerst Benjamin Behr berichten, der (nebst weiblicher Begleitung) in Amsterdam mit seiner Lederhos’n viel Aufsehen erregt hat:

Gelebte Interkulturalität – oder ein preußischer Bayer in Amsterdam …

Studienfahrt– endlich- 3 Semester Lern-“Stress“ hinter mir – das Ziel vor Augen / Prüfung im Januar 2013, also Energie und Motivation auftanken in Amsterdam.

Vorweg genommen- das Wetter hat perfekt gepasst – denn in guter Gesellschaft gibt es kein schlechtes Wetter.

Ich widme meinen Bericht ganz der Einleitung „Gelebte Interkulturalität“ – und so hatte ich mich entschieden Amsterdam in bayrischer Tracht kennenzulernen, und das während der Europameisterschaft – Anreisetag war das Vorrundenspiel gegen die Niederlande.

Allerdings interessierte ich mich natürlich auch für die holländische Kultur in all Ihrer Vielfalt, sei es nun das Essen oder eben andere für uns typisch holländische Bräuche. Eventuelle chronologische Unstimmigkeiten in meinem Bericht seien der Tatsache geschuldet, dass ich überwältigt wurde von den verschiedensten Eindrücken und Erlebnissen.

TAG 1: Lederhose und Fußball

Für den perfekten Start in die Woche sorgte dann gleich um 0700 Uhr morgens eine Mitschülerin mit dem Worten: „Gut schau’st aus“, und ich darf schon mal vorwegnehmen, es war nicht das letzte Kompliment. An dieser Stelle ein besonderes Dankeschön an die Absenderin des Komplimentes, denn nur einige Stunden später sah sich die gleiche Person dem krassen Gegenteil ausgesetzt: „SO willst Du fliegen- naja ich weiß ja nicht?!?“ – Kritik und Intoleranz – und das von den eigenen Mitschülern tze tze tze (Kopfschüttel).

Angekommen und eingecheckt – nach einer Übertragung fürs Spiel gegoogelt und alle gemeinsam losmarschiert. Auf dem Weg zum Spiel viele prüfende Blicke – alle freundlich in Erinnerung geblieben.

Dann wenige Meter vor dem Ziel: Applaus und Gejohle – 6 deutsche Schwaben hat es ebenfalls nach Amsterdam verschlagen, und man darf an ihrem Tisch Platz nehmen – sie hatten bereits für das Spiel reserviert und wir waren schnell durch die Tracht als deutsche identifiziert worden. Am Nebentisch 4 Holländerinnen, mit denen man schnell ins Gespräch kommt: “You are obviously cheering for Germany but wouldn’t u mind cheering for us 2?“…

Tischwechsel pünktlich zum Spielbeginn: „So where u from in Germany…?“; was daraus folgte, war die komplette 2te Halbzeit ein interessantes Gespräch mit einem norwegischen IT-Professor, der für 2 Tage in der Heineken Brauerei doziert. Während des Spiel bleiben Passanten stehen –  begutachten … und Daumen nach oben!

Einziger Negativpunkt des Abends, ein stark angetrunkener, ich schätze mal Slowake, stammelt: „bavar…ia..“ und zieht mir mein frittierten Käse ab…;-(

TAG 2: Stadtrundfahrt, Bols und Nightlife

Aufgestanden; Wetter geprüft – leichter Regen, aber das stört die Lederhose ja nicht. Gegen die Kälte ziehe ich meine Strümpfe einfach bis nach oben – Zack Tenor Mitschüler: „ Die müssen aber bis zu den Knien reichen…“; mag sein, aber hier weiß das keiner 😀

Den Tag mit einer Bustour durch Amsterdam verbracht – das Bols-Museum besucht und überall: „Wow- gj- Where are u from in Germany? Are u always wearing this kind of clothes in Germany…?”– man ist immer schnell in interessante Gespräche verwickelt.

Montag sollte dann auch der Abend werden, an dem das Amsterdamer Nachtleben geprüft wurde – und die Teile, die ich noch in Erinnerung habe – es war awesome …

Nachhaltig beeindruckt vom Feedback, vereinbaren wir für den morgigen Tag das volle Programm: Lederhose + Dirndl (offensichtlich nicht beides von derselben Person getragen).

TAG 3: Markt und Heineken

In bayrischer Tracht die Treppe hinunter gleitend mit einer Eleganz, die im Nachhinein nur schwer zu beschreiben ist, man muss dabei gewesen sein, trifft das weibliche Pendant zur Lederhose pünktlich gegen 10.00 Uhr vor dem Hotel ein. Auf dem Weg zum Albert Koip Markt stellen wir dann erschrocken fest, dass noch niemand ein Photo von uns gemacht hat – und schon klickt es; Herr Aumüller persönlich schießt ein Photo – aber als vollen Erfolg zählen für uns nur Photos von Einheimischen.

Zwei Bayern in Amsterdam

Von den Marktbeschickern gibt es viele freundliche Blicke- vor allem in Richtung meiner Begleitung – aber wem kann man es verübeln und überall kommt man schnell ins Gespräch –

“Are u from Austria?”
“AH- Heidi & Peter….”

Mein Kater-Frühstück auf dem Markt besteht dann aus zwei frischen hervorragenden Austern. Der Verkäufer sehr freundlich und am nächsten Tag erinnert er sich noch an den „Peter“ und lädt mich auf ne Auster ein …

Nach einer kleinen Pause am Ufer der Amstel geht’s auf zum zweiten Teil des Tages: Besichtigung der Heineken Brauerei. Wir treffen vor der vereinbarten Uhrzeit ein – die Natur ruft – doch der Zutritt soll mir verwehrt bleiben?

„Access only with ticket!” – gibt es zu hören.
“No problem @ all but right now we are waiting for the rest of our group and we will buy the tickets together. I`m pretty sure u will recognize me later…” (die Tracht eben).
“Agreed u shall pass”. (and I was recognized 😉

Von den Mitarbeitern der Brauerei gibt es etliche Daumen nach oben – bei der Bierverkostung für unsere Outfits die doppelte Menge Bier und an der Schlange brauchen wir uns nicht anstellen – wir werden nach vorne gebeten; nur einige Highlights der Besichtigung.

Das große Finale dann nach der Besichtigung:

Es müssten Amerikaner gewesen sein, die uns aus dem ersten Stock heraus signalisieren, dass sie uns gerne photographieren würden – und sie dürfen natürlich – danach direkt neben uns drei Spanier schießen das nächste Foto von uns – oder sollte ich lieber sagen Basken, mit denen man auch noch ein wenig plaudert: „Give us 5-10 years and we will be an independant country, because were are like u Germans always hard working not like the rest of spain…“

TAG 4: Edam und die Windmühlen

Die „Begleitung“ bezaubert wieder in ziviler Kleidung – kurze Bahnfahrt nach Edam-Käse, Windmühlen und das Meer. Wir lassen uns auf einem Steg nieder und das preußische Herz genießt den weiten Blick, der in Bayern durch die Berge verwehrt bleibt. Es gesellt sich eine Abiturklasse aus Düsseldorf zu uns und wir werden aufgrund der Lederhose für Schwaben gehalten?!? :-/…

Bezaubert unter anderem von der Landschaft entschließt sich der harte Kern unserer Gruppe einen Zug später die Rückreise nach Amsterdam anzutreten, um an einem stillen versteckten kleinen See die Ruhe und Sonne ein wenig zu genießen und einmal richtig durchzuatmen.

Am Abend steht spontan die Besichtigung des Redlight Distriktes auf dem Plan – aber wer den Kiez kennt, für den ist der Besuch kein besonderes Highlight.

TAG 5: Austern, Grachten, Pub

Der Tag der freien Wahl – jeder durfte am letzten Tag in Amsterdam das anstellen, was ihm/ihr am liebsten war. Wir entschieden uns zu einer Bootsfahrt durch die Grachten mit einem kurzen Zwischenstop auf dem Albert Koip Markt u.a. für ein Austernfrühstück. Auf dem Boot lerne ich Kanadier kennen: “Looking good man, ur from bavaria…“ und wir unterhalten uns über seine Europa Reise – allerdings hat er Deutschland noch nicht besucht, ich empfehle ihm Garmisch. Es steigen Asiaten zu, wir rücken zusammen: „Thx very much; where are u from? I´m from Nürnberg“, informiert mich die charmante Asiatin.

 

Am Abend treffen wir uns alle gemeinsam zur Abschlussfeier in einem Irischen Pub (den hatten wir bereits am Montag getestet). Er füllt sich zum Fußballspiel, und der Weg zur Toilette wird durch Schulterklopfen, Zurufe: „Wow- nice outfit , looking good“ begleitet. *freu*

Wir lassen den Abend „entspannt“ in einem Club ausklingen – in dem meine Begleitung (heute wieder in Tracht) das vielleicht schönste Kompliment der Fahrt erhält: „You look like a Princess^^“– Recht hat er!

Den Tag der Abreise haben ich dann anonym in Alltagskleidung verbracht – war ohnehin auf allen Fahrten am Schlafen, an dieser Stelle nochmal Danke für den sicheren Heimtransport von Flughafen München nach Garmisch.

Mein Fazit der Studienfahrt kann nur sein: Unbedingt öfters Tracht tragen/ ich hab‘s mir auf jeden Fall für die kompletten Semesterferien im Norden vorgenommen.

Und nun die Eindrücke von Michael Liess:

Eine Klasse auf den Spuren der interkulturellen Kommunikation: Amsterdam

Sonntag

Es ist 11.15 Uhr, als wir uns vollständig an Bord des Embraers E195 der Augsburg Airways befinden. Die letzten Hinweise der Stewardess, anschnallen und schon rollen wir quer über den Münchner Flughafen, bis wir unsere Startbahn erreichen. Die Turbinen werden lauter, das Flugzeug wird schneller und schon drücken uns mehrere tausend Newton sanft in den teilweise bewölkten Himmel über dem Erdinger Moos. Mit an Bord: 10 Schüler der FS 2F der Hotelfachschule Garmisch-Partenkirchen und ein Lehrer mit Flugangst. Wir befinden uns auf Studienreise. Das Ziel: Amsterdam.

Nach einem angenehmen Flug erreichen wir nach anderthalb Stunden den Flughafen Amsterdam Schiphol. Wie nah interkulturelle Kommunikation sein kann, erfahren wir spätestens jetzt, denn nachdem wir alle unsere Koffer haben, stehen wir vor dem ersten Problem: Welche Bahn fährt ins Zentrum? Nachdem wir einmal zu früh ausgestiegen sind, halten wir endlich im Central von Amsterdam. Hier müssen wir nochmal in die S-Bahn der Linie 5 und nach ein paar Stationen steigen wir am Museumplein aus. Ein kurzer Fußmarsch und bald stehen wir vor unserem Hotel, das uns die nächsten 5 Tage beherbergen soll.

Das Hotel ist eine Mischung aus Jugendherberge, Flüchtlingslager und modernem Rückzugsort. Zumindest muss ich daran denken, als ich den hohen Stapel Matratzen sehe, die neben den Bartischen gestapelt sind, und während ich die Zugangsdaten für den Wireless Zugang abschreibe, entdecke ich dahinter einen modernen Flat Screen an der Wand. Eine Schiffsglocke über einer teilweise verwahrlosten Bar weist auf zurückliegende feucht – fröhliche Feste hin. Die Zimmer sind verwinkelt, aber sauber und zweckmäßig eingerichtet, allerdings weisen der Teppich im 70er Jahre Stil und die Fenster auf gravierenden Renovierungsbedarf hin. Trotzdem: Alles in allem ist alles da und da, wir nur zum Schlafen hier wohnen werden, ist es in Ordnung. Frauenbesuch ist allerdings nicht zu empfehlen, denn so wie die Betten quietschen, würde jeder Mitbewohner  quer durch die verwinkelten Gänge zuhören können.

Eigentlich ist für heute noch eine Stadtrundfahrt anberaumt, aber aus Zeitgründen beschließen wir dies zu vertagen und einigen uns darauf, dass wir uns in Gruppen aufteilen und uns ein bisschen in der Umgebung umschauen. Mit der Kamera bewaffnet, suchen wir einen Platz um bei einem gemütlichen Bier auf unsere Studienreise anzustoßen. Wir werden fündig  in einer Eckkneipe inmitten einer Wohngegend und genießen die Sonne bei milden Temperaturen. Am Abend spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Dänemark, also beschließen wir uns auf die Suche nach einem Ort zu machen, wo das Spiel übertragen wird. Wir sammeln uns vor dem Hotel und verzichten bewusst auf die öffentlichen Verkehrsmittel, um die Stadt näher kennenzulernen. Bald kommen wir an einem Platz an, an dem sich eine Bar an die andere reiht und ein Pub den anderen abwechselt. Wie fußballbegeistert die Niederlande ist, spiegelt sich in den orangen Fähnchen, Wimpeln und aufblasbaren Fußbällen wider, die überall an den Häusern hängen, quer über die Straße gespannt sind und die zeigen, wie dominant die Farbe der Oranje sein kann. Wir finden uns in einem Pub ein, der die Spiele für diesen EM-Tag parallel überträgt.

Wer noch nie in den Niederlanden war, sollte auf eines aufpassen: Fahrradfahrer. Kaum eine Nation ist mehr auf die Drahtesel konditioniert als diese. Stockwerke voller Fahrräder sind keine Ausnahme! Man könnte meinen die Regierung fördert jeden Drahtesellenker persönlich. Das schlägt sich auch in der Fahrweise nieder: Während der Straßenverkehr sauber nach Regeln läuft, gibt es in für Roller-und Fahrradfahrer anscheinend keine. Fußgänger? Egal, klingeln, möglichst nicht bremsen und in voller Geschwindigkeit weiterfahren, denn: Passanten können ja springen. Am ersten Abend erschrecken wir mehr als nur einmal. Am Ende des Trips haben wir uns daran gewöhnt: Wir schauen automatisch, bevor wir loslaufen

Als wir am Abend nach Hause gehen, habe ich noch Hunger. Zu dritt schlendern wir ein bisschen durch die Straßen und entdecken eine kleine Kneipe, in der sich der Wirt noch bereit erklärt zu kochen: Bei einem leckeren Entrecote und gekühltem Heineken lassen wir den Abend ausklingen. Ein leckeres Entrecote nachts um 12 in Amsterdam? Nicht schlecht!

Montag

Als wir uns in der Früh nach dem Frühstück um 10 Uhr vor dem Hotel treffen, bläst uns bei strahlendem Sonnenschein ein leichter Wind entgegen. Wir  laufen miteinander zur nächsten Haltestelle. Am Bahnhof steigen wir in einen roten amerikanischen Schulbus, der mit seinem offenen Dach ideal für die Stadtrundfahrt geeignet ist. Wir bekommen Kopfhörer ausgeteilt und stellen die deutsche Sprache ein. Die Rundfahrt führt uns vorbei am Hafenbecken, in dem die Amsterdam liegt, ein altes Segelschiff, das von Arbeitslosen originalgetreu nachgebaut wurde; ein Stück Geschichte zum Anfassen, direkt am Ministerium für Seefahrt. Wir passieren eine große Windmühle, vorbei an den ganzen verwinkelten Gassen. Zeitweise könnte man meinen, wir wären in Amerika, und tatsächlich: Wer hat gewusst, dass New York nach dem Vorbild von Amsterdam entstanden ist? Ein kleiner Stadtteil erinnert noch daran:  Harlem. Durch die Windmühlen konnten Sägewerke früher mit Windkraft angetrieben werden, was damals klare Wettbewerbsvorteile beim Flottenbau brachte; der Grund, dass die Niederlande um 1600 zur Seemacht wurde und auch vor der „Neuen Welt“ nicht haltgemacht hat. Wir schlängeln uns vorbei an den Häusern zwischen Altertum und Moderne. Aus Platzgründen durften früher die Häuser nicht breiter als 6 Meter gebaut werden, dafür in die Länge unbegrenzt. Kein Haus sieht aus wie das andere. Erstaunlich auch die Häuser, die scheinbar überkippen, die extra so gebaut wurden, damit sie größer erscheinen. Das kleinste Haus ist gerade mal einen Meter breit. Wir fahren weiter über die unzähligen Grachten, die durch ein cleveres Schleusensystem jeden Abend mit Frischwasser zirkuliert werden, vorbei an dem Amsterhotel, wo schon viele berühmte Personen abgestiegen sind. Das weltweit bekannte Hotel liegt an der Amstel, dem Fluss, der Amsterdam seinen heutigen Namen gegeben hat. Weiter geht´s zur Nationalbank, in der auch die Goldreserven des Landes liegen, und bei der im Notfall der komplett untere Teil mit Wasser geflutet werden kann. Die Niederlande waren schon immer bekannt für Ihre Toleranz und Ihre Hilfsbereitschaft: Napoleon wollte die Niederländische Herrschaft splitten und dadurch schwächen: Aus diesem Grund ist die Regierung und Gesetzgebung in Den Haag, Amsterdam immer noch die Hauptstadt. Im 2. Weltkrieg wurden viele Juden versteckt und dadurch vor der Deportation gerettet. Dadurch siedelten sich auch viele Diamantenschleifer jüdischer Natur an. Wir machen einen Zwischenstopp bei einer Diamantenfabrik. Warum, sollten wir gleich merken, denn im Vordergrund steht nicht die Produktion, sondern der Verkauf:  Für 23.000 Euro würde uns ein blauer Diamant gehören. Zumindest gibt’s einen Kaffee umsonst. Mit unserem Ticket haben wir die Möglichkeit nach Belieben an diesem Tag zu- und auszusteigen. An der Westerkerk Church, steigen wir aus, der Kirche, in der der berühmte Maler Rembrandt von Rijn 1669 begraben wurde, und in der Königin Beatrix 1966 ihren Ehemann Claus von Amsberg geheiratet hat. Gleich dahinter liegt das berühmte Anne-Frank-Haus. Nach einem kurzen Fußmarsch entlang einer idyllischen Gracht erreichen wir die  Pancake Factory. Hier gibt es jede Art von Pfannkuchen mit allem möglichen belegt. Nach einem ausgiebigen Mittagessen und gratis Cidre  für alle, laufen wir zurück zu unserer Haltestelle. Unser nächster Halt ist das House of Bols. Nachdem wir unseren Eintritt gezahlt haben, erleben wir eine komplette neue Welt eines Museums, bei dem wir mit allen Sinnen das seit 1575 bestehende Prinzip von Lucas Bols  hören, ertasten, schmecken und fühlen. Es ist ein modernes Museum mit der einzigartigen Geschichte des berühmten Liquors. Am Abend splitten wir uns in einzelne Gruppen. Wir haben Hunger und finden uns auf der Terrasse eines Irish Pubs wieder. Das Essen ist super und zur Feier des Tages bestellen wir eine Flasche Rioja. Es bleibt nicht bei einer. Dadurch, dass es in Amsterdam wegen seiner Lage langsamer dunkel wird, kommt es uns so vor, als ist es um 11.00 Uhr Ortszeit  gerade mal wie um 9.00 Uhr bei uns zu Hause.

Amsterdam: Stadtrundfahrt

Amsterdam: Stadtrundfahrt

Dienstag

Das Aufstehen fällt heute besonders schwer. Als wir uns um 10.00 Uhr vor dem Hotel treffen, merken fast alle den zurückliegenden Abend.  Bei strahlendem Sonnenschein machen wir uns auf den Weg zum berühmtesten Markt in Amsterdam: Dem Albert Cuyp Markt. Als wir dort ankommen, teilen wir uns in Gruppen auf.  Jetzt haben wir 4 Stunden Zeit den Markt zu entdecken. Über einen Kilometer wird hier beinahe alles angeboten: Stände mit Tüchern, Kleidung, Taschen stehen Ständen gegenüber, die Obstsorten  aller Art und Gemüse verkaufen. Egal, ob man fangfrischen Fisch kaufen möchte oder nur ein frisches Hähnchen zum Mittagessen:  Kein Wunsch bleibt offen. Hier beweist sich die Lederhose von Benjamin:  Er bekommt eine fangfrische Auster als Bayer kostenlos, die ihm mit Limette vor Ort geknackt und serviert wird. Die Lederhose trägt er übrigens die ganze Woche, wofür er viele Blicke erntet und wodurch er immer wieder ganz unerwartet holländische sowie internationale Gesellschaft genießt. Einsam werden in Amsterdam mit Lederhose?  Beinahe unmöglich! Bei der bunten Vielfalt und der Größe des Marktes ist es kaum möglich in der vorgegebenen Zeit alles gesehen zu haben. Am Nachmittag steht noch ein weiterer Programmpunkt auf der Liste: Das Museum der Heineken Brauerei. Auch hier finden wir uns wie beim Bols Museum in einem riesigen, modernen Museum wieder, das mit allen Sinnen die Philosophie der Firma erleben lässt. Die Geschichte der Brauerei sowie ihre Anfänge werden eindrucksvoll interessant dargestellt. Dann kommt man in ein 4D Kino, in dem man den Weg vom Getreide vom Kornspeicher bis zur Flasche scheinbar selber mitgeht. Selbst die Wasserspritzer tragen zur Authentizität bei. Danach kommen wir an eine Bar und erfrischen uns bei einer netten Geschichte des Barkeepers an einem frischen Heineken. Dass Werbung nicht nur langweilig ist, erfahren wir im weiteren Verlauf. Hier werden wir mit der kompletten Werbepalette von Heineken konfrontiert, die  in verschiedenen Räumen geschickt gestaltet ist und jeden zeitweise komplett in die Welt von Heineken mit hineinzieht. Am Armband, was wir beim Eintritt bekommen haben, sind drei Marken angeknüpft: zwei für zwei kleine kühle Heineken, die wir an der Hausbar einlösen können, eine für ein gratis Werbegeschenk, die wir im Heineken Shop in Amsterdam eintauschen können. Von der Bar gelangen wir in einen hausinternen Shop, in dem man alles Mögliche kaufen kann. Wir kommen zum letzten Programmpunkt:  Der Grachtenfahrt vom Museum mit dem hauseigenen Boot  zur Anlegestelle vom Outlet Shop. Während der Fahrt bekommen wir, klar, ein frisches Heineken, wofür der Kapitän  nochmal umkehren muss, denn:  Die Gästeanzahl war zwar vollständig, man hatte aber vergessen das Bier zu laden. Als wir nochmal zurück zur Anlegestelle kommen, wartet man dort schon mit den Bierkisten auf uns. Im Shop holen wir unser Geschenk mit der letzten Marke ab: eine Sonnenbrille in Pilotenform. Man sieht kaum, dass diese von Heineken ist. Von dem Shop aus teilen wir uns wieder in Gruppen. Der Abend ist zur freien Verfügung.

Mit neuer Heineken-Brille

Mit neuer Heineken-Brille

Mittwoch

Die Niederlande ist natürlich auch für ihren Käse berühmt. Aus diesem Grund sind wir an diesem Tag unterwegs zum Bahnhof, von wo aus wir eine  20minütige Zugfahrt aus der Stadt  bis Zaanse Schans, einer touristische Topattraktion in den Niederlanden, unternehmen. Nach einem weiteren 20 Minuten Fußmarsch erreichen wir ein Museum, das als kleines Dörfchen aufgebaut wurde und das unter anderem eine typische holländische Käserei beherbergt. Schon von weitem sehen wir die restaurierten, noch voll intakten Windräder der alten Mühlen. Das Dorf spiegelt die frühere Lebenswelt der Holländer auf dem Land in idyllischer Art und Weise wieder.  Es scheint die Sonne, und das flache Land präsentiert sich uns von seiner besten Seite. Ein sanfter Wind bläst übers Wasser, während ein weißbärtiger Seemann mit Holzschuhen und Seemannskleidung vor einer der Mühlen sitzt und auf einer Ziehorgel spielt. In der Käserei angekommen, werden wir von Antje begrüßt, zumindest ist die Dame, die uns die traditionelle Käseherstellung erklärt, so gekleidet, mit ihrer Landestracht und Spitzenhaube. Im Käseshop probieren uns quer durch verschiedene Arten von Käse.

Käse ... Käse ... Käse aus Holland

Käse … Käse … Käse aus Holland

Als wir rauskommen, genießen wir noch ein bisschen das idyllische Landleben und beobachten die freilaufenden Hühner bei der Futtersuche. Hier trennen wir uns und verabreden uns zum gemeinsamen Essen am Abend in der Stadt. Wir beschließen noch ein bisschen ans Wasser zu gehen und dort Mittagspause zu machen. Als wir auf dem Steg sitzen, kommt eine Schulklasse aus Deutschland dazu. Und während sich meine Kollegin noch freut, dass es in unserer Runde keinen Raucher gibt, erstreckt sich über uns der süße Geruch eines Joints. Wahrscheinlich gehört das zum Jugend forscht Projekt der Schulklasse aus Nordrhein-Westfalen, Gymnasiasten der 12. Klasse, die auf Abschlussfahrt sind. Am Abend gehen wir geschlossen chinesisch essen. Zur  Verdauung laufen wir einmal durch das berühmte Rotlichtviertel. Danach wollten wir’s nochmal richtig krachen lassen und steigen in die Straßenbahn, Ziel: Leidensplein, ein Platz wo sich Bars und Clubs aneinanderreihen.

Alles rund um den Käse - mit Frau Antje

Alles rund um den Käse – mit Frau Antje

Donnerstag

Der letzte Tag ist zur freien Verfügung. Jeder hat  nochmal die Möglichkeit, das zu tun und zu besuchen, worauf er Lust hat. Bei bewölktem Himmel beschließen wir unser Hop on Hop off Ticket zu nutzen. Ein Ticket, was eine Grachtenfahrt für einen ganzen Tag ermöglicht, bei der man an jeder beliebigen Haltestelle aus- und wieder  zusteigen kann. Wir fahren noch einmal die große Route, so kommen wir auch noch einmal ins große Hafenbecken raus. Wir steigen am Bahnhof aus und gehen in die alte Kathedrale, in der die Niederländer ihre Könige krönen. Quer durchs Rotlichtviertel bei Tageslicht gelangen wir zur alten Cerk, einer der ältesten Kirchen überhaupt. Bewaffnet mit einer Tüte Pommes to go, schlendern wir dann weiter,  noch einmal quer durch die Innerstadt zum berühmten Tulpenmarkt: Hier ist das letzte Mal die Möglichkeit etwas wirklich typisch Niederländisches als Souvenir zu ergattern. Von dort aus besuchen wir nochmal das Hard Rock Cafe und lassen bei einem teuren Bier die Woche noch einmal Revue passieren: Alles in allem, super!

Freitag

In der Früh packen wir unsere Koffer und sammeln uns vor dem Hotel. Nachdem es bei der Anreise nicht so richtig mit den richtigen Zügen klappen wollte, haben wir beschlossen diesmal ein Taxi zu nehmen. Amsterdam ist nicht nur ein Ort für Neugierige, sondern auch bekannt für die niederländische Toleranz für Neuanfänger. Zumindest glauben wir, den Kapitän der gekenterten Costa Concordia als unseren Taxifahrer zu erkennen. Denn unsere Taxifahrt ist ein einziger Nervenkitzel und  unser Taxi verwandelt sich plötzlich in einen Sportwagen. Am Flughafen verläuft der Check In reibungslos. Als wir auf dem Rollfeld auf unsere Startfreigabe warten, beginnt es zu regnen. Die Turbinen heulen auf und schon bald befinden wir uns in der Luft. Ein letzter Blick auf Amsterdam, dann verschlingen uns die tiefhängenden Wolken.

Fazit

Amsterdam wird auch nach vielen Klassenfahrten ein spannendes Reiseziel bleiben. Mit ihren vielen 1000 Facetten offenbart diese Stadt immer wieder neue Überraschungen. Egal, ob man immer wieder neue Arten von Hausbooten entdeckt, die in den 70ger Jahren in der Hippie Bewegung als billige Wohnungen galten und heute für reichen Leuten vorbehalten sind, oder ob man kaum erkennbar in einem Wasserbeet inmitten einer Gracht plötzlich eine Hanfplantage findet. Diese Stadt ist immer in Bewegung und erfindet sich immer wieder neu, egal ob kulinarisch, kulturell oder in ihrer Struktur. Amsterdam ist ein Sinnbild niederländischer Toleranz.

Herzlichen Dank Michael Liess, Benjamin Behr für die ausführlichen Berichte und Rudolf Aumüller für die Fotos!

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